Gestern war ich mal wieder bei Ikea, in der Filiale in Eching bei München. Früher hatte mich ja meine Exfrau in Berlin von Zeit zu Zeit zu Ikea hingeschleppt, und das war nie eine große Freude für mich gewesen. Aber das gestern übertraf alles, was ich bisher gesehen hatte. Der ganze riesige Laden war so dermaßen gerammelt voll mit Leuten wie noch nie, daß man auf den Gängen kaum noch vorwärts kam, obwohl es noch nicht einmal Vorweihnachtszeit ist. Es wird auf „Teufelkommraus“ konsumiert, als gäbe es kein Morgen, und es herrscht ein wahrhaft babylonisches Sprachengewirr.

Arbeite konsumiere!

Da ich nur einen Kabelkanal für den Schreibtisch haben wollte und diesen auch rasch gefunden hatte, gelang es mir, dem Tohuwabohu umgehend wieder zu entfliehen. Aber was war ich frappiert! Da wurde mir einiges klar. Der allgemeine Reichtum, der sich in einem solchen Konsumverhalten zeigt, ist einfach phänomenal. Klar, daß jeder an einem Leben teilhaben möchte, in dem es banale Normalität ist, daß junge Familienväter, die zwanzig Jahre jünger sind als ich, mit neuen Luxuslimousinen herumfahren, welche drei komplette Jahresgehälter von so einem wie mir kosten.

Besser kann das Leben für die Massen nicht sein. Es ist sonnenklar, daß niemand, der noch alle Tassen im Schrank hat, diese Zustände verändern will. Daher rühren die 87% Zustimmung zu einer Politik, von der angenommen wird, sie habe diesen unermeßlichen Überfluß geschaffen, und die ganzen „rechten“ Hohlköpfe auf solchen Portalen wie pi-news.net und anderen sind vollkommen auf dem Holzweg, wenn sie glauben, diese funktionellen Konsumenten müßten irgendeinen Leidensdruck verspüren, der sie zum Unmut über jedwede Aspekte ebenjener Politik veranlassen könnte.

Es ist zwar vielleicht nicht so, daß all dieses hemmungslose Konsumieren wirklich den Zustand des Glücklichseins darstellt, nach dem der Mensch ja angeblich immer strebt. Auch wenn ich bei einem normalen Supermarktbesuch bei Edeka in Stockdorf sehe, welche Unmassen von Lebensmitteln sehr viele Leute einkaufen – so ein voller Einkaufswagen kostet mindestens 200 Euro – und dabei sicher bin, daß die Hälfte von all der ganzen Pracht im Müll landen wird, weil die ethnischen Deutschen (die im Landkreis Starnberg immer noch in der Mehrheit sind) keine so großen Großfamilien haben, um den ganzen Kram überhaupt verzehren zu können, dann sehe ich dabei keine glücklichen, sondern weit eher zwanghafte Menschen.

Nein: Dieser hemmungslose Konsum dient als der am besten funktionierende und am massenkompatibelste Ersatz für ein wirklich adäquates, also eben „glückliches“ Leben. Es kommt mir manchmal fast so vor, daß die ganzen funktionellen Konsumenten mehr und mehr zu Abbildern jener Gestalten aus den Fernsehfilmen der öffentlich-rechtlichen Anstalten werden, von denen ich nun, da ich den Kampf gegen die Windmühlen (die GEZ) aufgegeben habe, mal den einen oder anderen aus den diversen Mediatheken heruntergeladen und nebenher laufen gelassen habe. Diese Filme, mit einem fantastischen Budget produziert, sind im besten Fall seichte, in den meisten Fällen aber peinliche bis ärgerliche Machwerke, und doch ein Spiegelbild der Gesellschaft oder jedenfalls des Teils der Gesellschaft, der von den Restdeutschen, der „Titularnation der BRD“ sozusagen, gebildet wird.

Insofern ist also alles paletti und die ganzen Unkenrufer inklusive meiner eigenen Person haben ganz einfach nicht recht, wenn sie auf irgendwelche – weil eingebildeten – Mißstände hinweisen. Auch z.B. die Basler Zeitung, die erst gestern die finstersten Zukunftsaussichten für die „BRD“ prognostizierte, verkennt ganz und gar, worum es hier im diesem Land eigentlich geht und was den Leuten wirklich wichtig ist.

Aber ist das auch das, was mir wichtig ist?

Wie schrub der gute Hadmut Danisch doch erst diese Woche so schön aus dem fernen Neuseeland, ich zitiere:

Nein.

Ich bin ganz sicher nicht kulturmarxistisch geimpft.

Aber ich habe halt Augen, Ohren, Hirn, und merke eben, wie sich viele Deutsche aufführen.

Und nochmal zur Erinnerung: Es sind nicht die Kulturmarxisten gegen die Deutschen. Auch die Kulturmarxisten sind Deutsche und Deutsche haben sie sich gewählt.

Man kann nicht einerseits sagen, dass es die bösen Kulturmarxisten gibt, die alles rauben und kaputt machen, und auf der anderen Seite die guten Deutschen, von denen man sich nicht distanzieren dürfe.

Es sind dieselben. Die Deutschen haben sich diese Kulturmarxisten gewählt und sie haben sich von ihnen übernehmen lassen. Man kann nicht vor Kulturmarxisten fliehen und Deutschland lieben. Deutschland hat es nicht geschafft, sich diese Leute vom Hals zu halten, sondern hat sie eingeladen. Deshalb muss man sich nach Alternativen umschauen.

Vollste Zustimmung!

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