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F60 von Kleinleipisch aus gesehen

Heute führte mich der Weg wieder einmal in die Niederlausitz. Auf der Straße von Kostebrau nach Sallgast – das heißt inmitten reiner Bergbaufolgelandschaft zwischen den ehemaligen Tagebauen Kleinleipisch, Klettwitz und Klettwitz-Nord – war die Sonne so freundlich, in folgender fotogenen Stimmung eine Aufnahme des “Besucherbergwerks Abraumförderbrücke F60” in Lichterfeld zu ermöglichen:

Besucherbergwerk F60, von Süden her gesehen

Bei diesen Abraumförderbrücken vom Typ F60 handelt sich um die größten Maschinen, die jemals hergestellt wurden – und zwar in der DDR im Lauchhammerwerk. Selbst die größten Supertanker auf den Weltmeeren reichen in ihren Dimensionen bei weitem nicht an die der F60 heran. Zum Vergleich: Der kleine weiße Kasten an der Spitze links oben im Bild ist eine Aussichtskanzel von der Größe eines kleinen Hauses für die Besucher des Besucherbergwerks und befindet sich in etwa 100 m Höhe. Von den sechs erbauten Exemplaren dieses Typs sind fünf weitere noch im Einsatz. Bilder von einer der Schwestern dieses Giganten im aktiven Tagebau Welzow-Süd finden sich in diesem Beitrag.

Kurz zuvor hatte ich in Lauchhammer-Nord noch diese sehr interessante Wasserkraftmaschine, ein sogenanntes Lauchhammergebläse, entdeckt:

Gebläsemaschine mit Wasserrad

Die Aufschrift auf der Tafel lautet: “Gebläsemaschine für Bleischachtöfen in den Staatl. Hüttenwerken Halsbrücke b. Freiberg 1837 in Lauchhammer gebaut, 1925 ausser Betrieb gesetzt.” Eines der wenigen Beispiele für ein gußeisernes Wasserrad in Deutschland, jedenfalls kenne ich kein weiteres. In Großbritannien sollen solche weit verbreitet gewesen sein.

Tivoli-Kraftwerk am Eisbach in München

Am 23.09.2009 ließen wir nach einem wunderschönen Aufenthalt in Omiš an der dalmatinischen Adriaküste den Urlaub in meiner alten Heimat München ausklingen. Dazu gehörte auf Wunsch meiner Frau auch ein Besuch im Englischen Garten, und zwar besonders zur sogenannten “Eisbachwelle” an der Eisbachbrücke in der Nähe des Hauses der Kunst. Der Eisbach gehört zum System der Münchner Stadtbäche, welche aus der Isar und dem Isar-Werkkanal ausgeleitet werden und auch wieder in die Isar münden. In früheren Zeiten hatten diese Stadtbäche große wirtschaftliche Bedeutung. Eine Vielzahl an Mühlen wurde einst durch sie angetrieben; noch bis in die allerjüngste Zeit arbeitete die letzte “handwerkliche” Getreidemühle Münchens, die Kraemer’sche Kunstmühle, mit der Wasserkraft des Auer Mühlbachs.

Geblieben sind immerhin fünf Wasserkraftanlagen an den Stadtbächen, nämlich vier am Auer Mühlbach, zu denen sowohl das älteste Wasserkraftwerk Münchens, das Maxwerk, als auch unweit davon das bisher jüngste am Muffatwerk zählen, und eines am Eisbach – das Tivoli-Kraftwerk.

Tivoli-Kraftwerk vom Oberwasser aus gesehen

Dazu möchte ich Wikipedia zitieren:

Das in den Jahren 1895/96 gebaute Kraftwerk lieferte von 1896 bis 1931 Strom für die Lokomotivenfabrik Maffei, die 1838 von Joseph Anton von Maffei in der Hirschau gebaut wurde. Mit der Fusion von Maffei und der Firma Krauss & Co. zu Krauss-Maffei wurde die Produktion nach Allach verlegt und das Kraftwerk stillgelegt.

1896 war die Energieleistung noch bescheiden: “drei Turbinen, zwei unterschlächtige Wasserräder und eine Dampfmaschine erzeugten an die 300 Pferdestärken”.

1901 wurden drei Francis-Turbinen mit einer maximalen Leistung von je 330 PS ca. 700 KW installiert, die die alten Einrichtungen ersetzten. “Der Eisbach lieferte damals fast 22 Kubikmeter Wasser in der Sekunde, die Fallhöhe betrug 4,3 Meter. Es wurde außerdem eine Dampfreserve in der Kraftzentrale aufgestellt, die aus drei, von Maffei konstruierten, stehenden Verbund-Tandem-Dampfmaschinen von je 330 effektiven Pferdestärken bestand.”

Im Herbst 1948 wurde das Kraftwerk von der Tivoli-Kunstmühle AG wieder in Betrieb genommen, die den erzeugten Strom für den Betrieb der etwa 1.000 Meter südlich gelegenen Getreidemühle nutzte. Seitdem trägt es auch den Namen Tivoli-Kraftwerk.

Am 31. März 1969 stellte die Tivoli-Kunstmühle ihren Mühlbetrieb ein. Der vom Kraftwerk erzeugte Strom wird seitdem in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

1985 erfolgte der Eintrag in die Denkmalschutzliste der Stadt München “Ehemaliges Wasser- und Dampfkraftwerk der Maffei-Eisenwerke, 1896 errichtet, um 1900 ausgebaut; Blankziegelbau, die zweigieblige Turbinenhalle den Eisbach überbrückend, anliegend die Kesselhalle, die ursprüngliche Maschineneinrichtung teilweise erhaltenl.”

Im Sommer 1986 wurde das Kraftwerk nach einer Modernisierung und Renovierung wieder in Betrieb genommen. Dabei wurden zwei der alten Turbinen durch neue, kleinere, aber leistungsfähigere ersetzt. Die maximale Leistung pro Turbine beträgt jetzt 450 KW (ca. 620 PS), die maximale Durchflussmenge liegt bei 12,5 Kubikmetern pro Sekunde. Als maximale Fallhöhe sind 4,5 Meter vorgesehen. Eine der alten Turbinen und der Leitstand wurden erhalten. Die Turbine und der zugehörige Generator sind noch funktionsfähig, werden aber nur gelegentlich zu Demonstrationszwecken betrieben. Die anderen beiden Turbinen stehen in einem Museum.

Man merkt dem Eisbach seine Abkunft aus der wilden Isar an. Besonders imposant zeigt er sich an oben erwähnter Eisbachwelle, auf welcher sich die Surfer üben. Aber erst ab dieser Stelle trägt er den Namen Eisbach, denn hier – kenntlich durch die beiden Bögen der Eisbachbrücke – vereinigen sich zwei bis hierher getrennt geführte Wasserläufe, die Stadtmühlbach und Stadtsägmühlbach genannt werden. Diese beiden entstammen wiederum dem Fabrikbach, der seinerseits bei der Mariannenbrücke an der Praterinsel aus der Isar ausgeleitet wird. Bis zur Eisbachbrücke verläuft dies alles größtenteils unterirdisch auf einer Länge von 950 m. Die Eisbachwelle wird durch eine Sohlschwelle unmittelbar an der Eisbachbrücke erzeugt. Von hier bis zur Mündung in die Isar beträgt die Länge des eigentlichen Eisbachs 2850 m.

Aus dieser Grafik ist das System der Münchner Stadtbäche sehr schön zu ersehen.

Das Gesamtgefälle vom Beginn des Fabrikbachs bis zur Mündung des Eisbachs in die Isar beträgt 13 m; es sind zwei nennenswerte Stufen vorhanden, und zwar eine im Tucherpark mit einer Fallhöhe von 2,2 m sowie die am Tivolikraftwerk mit einer Fallhöhe von, wie oben schon erwähnt, 4,5 m. Der Durchfluß am Tivolikraftwerk schließlich beträgt 21,5 m3/sec.

Surfen am Austritt des Eisbachs nahe des Hauses der Kunst

Man kann sich daran kaum sattsehen, was auch die Vielzahl an Schaulustigen belegt, die sich bei Betrieb ringsherum aufhält. Verboten ist das Surfen zwar, wird aber geduldet.

Turbinenhalle des Tivolikraftwerks

Das Tivoli-Kraftwerk befindet sich quasi am anderen Ende unweit der Mündung des Eisbachs in die Isar. Schon lange wollte ich dem einmal einen Besuch abstatten. Und wir hatten Glück: Just an der Einfahrt zum Kraftwerk trafen wir zwei freundliche Herren, die uns einen Blick ins Innere gestatteten.

Was uns dort in der zeittypisch großzügig angelegten Kraftwerkshalle erwartete, war für den Freund der Wasserkraft geradezu überwältigend. Zwei Voith-Getriebemaschinensätze aus den 1980er Jahren arbeiten fleißig … und dann ist da noch einer der alten Maschinensätze vom Baujahr 1901. Eines jener großen eisernen Kammräder mit hölzernen Zähnen, das für Kleinwasserkraftanlagen dieser Zeit typisch ist, sitzt auf der Welle der liegenden Francisturbine und treibt eine Riemenscheibe mit horizontaler Welle. Diese wiederum über Transmission den Generator. Geregelt wurde das über einen Watt’schen Fliehkraftregler wie bei manchen Dampfmaschinen – siehe Bild links.

Kammrad im Tivolikraftwerk. Rechts die Riemenscheibe, hinten unten die beiden neueren Maschinensätze. Man beachte das Treppchen zu dem Schmiergefäß für die Nabe!

Riemenscheibe, über Kegelrad vom Kammrad angetrieben, mit zusätzlichem Transmissionsantrieb für den Fliehkraftregler

Alte Generatorwelle mit Druckrolle am Antrieb

Historische Schalttafel

Wie nebensächlich beginnt einer der beiden freundlichen Herren, den Leitapparat der alten Turbine zu öffnen, ebenso deren Einlaufschütz. Unversehens beginnt das alte Kammrad zu rotieren, dann befindet auf einmal sich der ganze Maschinensatz in Betrieb. Geschmeidig wie eh und je läuft das, es ist die reine Freude, dem Zusammenspiel zwischen Kammrad, Transmission, Fliehkraftregler und Generator zuzusehen.

Gleich setzt sich alles in Bewegung!!

Nach einiger Zeit der versunkenen Betrachtung werden die Schütze wieder geschlossen, und die alte Anlage läuft langsam aus. Wir verlassen tief beeindruckt das Gelände und wenden uns heimwärts. Toll, wie so ein einzelner ungeahnter Einblick in das Wesen der Wasserkraft die Begeisterung an der solchen wieder hervorrufen kann!

Herzlichen Dank vor allem an Herrn Richard Schedlbauer, der uns die Besichtigung ermöglichte – und hoffentlich mindestens eine weitere, dann aber mit etwas besseren Kameras ausgestattet als bisher!